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Ein Tag, der nachhallt
Das landesweite Netzwerktreffen der Sprachmentorinnen und Sprachmentoren

Olga Sperling im Gespräch ©SLfG

Es gibt Tage, die den Blick weiten und an denen deutlich wird, wie viel Kraft in gemeinsamer Reflexion steckt – und wie Sprache im Alltag dort am stärksten wirkt, wo Menschen voneinander lernen.

Genau so ein Tag war das diesjährige Netzwerktreffen der Sprachmentorinnen und Sprachmentoren aus Sachsen.

Vielfalt, die berührt

Der Umgang mit Mehrsprachigkeit gehört zu den häufigsten Praxisanfragen, die die über 30 Sprachmentorinnen und Sprachmentoren in Qualifizierungen, Beratungen und Prozessbegleitungen erreichen. Das zeigt auch die wissenschaftliche Begleitung des Landesprogramms.

Daher lautete die zentrale Frage beim Netzwerktreffen Ende Mai in Moritzburg:

  • Wie gelingt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Familien, die unterschiedliche sprachliche und kulturelle Erfahrungen mitbringen?

Antworten auf diese Frage kamen aus der Praxis: In einer Podiumsdiskussion teilten Praktikerinnen und Praktiker aus Kitas, Horten und der Migrationsarbeit ihre Erfahrungen und Perspektiven.

So betonte Olga Sperling, Geschäftsführerin des Ausländerrat Dresden e. V., die zentrale Bedeutung von sprachlicher Anerkennung:

„Jede Sprache verdient Würde und Anerkennung. Wenn Menschen mit ihrer Sprache respektiert werden, erleben sie sich selbst als respektierten Teil dieser Gesellschaft.“

Olga Sperling, Ausländerrat Dresden e. V.

Gleichzeitig warb sie für das „Nicht-Verstehen als pädagogische Grundhaltung“ und damit für einen Perspektivwechsel, der helfen kann, neue Zugänge zu schaffen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Auch Ludmila Alt aus dem Leitungsteam der mehrsprachigen Kita „Kleiner Globus“ lenkte den Blick auf das Verbindende: Statt Unterschiede in den Vordergrund zu stellen, gelte es, gemeinsame Erfahrungen und Bedürfnisse sichtbar zu machen.

Daniel Kaliski vom Dresdner Hort „Kunterbunter Hortplanet“ unterstrich zudem: Gelingende Beziehungen sind der Schlüssel für Sprachentwicklung.

Die Diskussion verdeutlichte:

Entscheidend ist nicht die Herkunft der Familien, sondern die Haltung, mit der ihnen begegnet wird. Kinder und Familien mit Migrationsgeschichte benötigen keine grundlegend andere Unterstützung. Entscheidend ist vielmehr, dass pädagogische Qualität auch unter den spezifischen Bedingungen sprachlicher, kultureller und biografischer Vielfalt wirksam wird. Dabei gilt es, spezifische Barrieren zu erkennen und zu berücksichtigen.

Es geht also nicht um eine Sonderbehandlung, sondern um eine Pädagogik, die Vielfalt als Selbstverständlichkeit begreift und allen Kindern – unabhängig von ihrer Herkunft – Teilhabe ermöglicht. Eine solche Pädagogik setzt auf Inklusion und schafft Rahmenbedingungen, in denen Vielfalt als Bereicherung und nicht als Hindernis verstanden wird.

Damit Teilhabe gelingt, müssen Barrieren erkannt und aktiv abgebaut werden:

Sprachliche Zugangsmöglichkeiten schaffen Dolmetscherinnen und Dolmetscher, Übersetzungen, mehrsprachige Materialien, Leichte Sprache sowie unterstützende Kommunikation erleichtern den Zugang. Auch einzelne Wörter aus den Familiensprachen können Brücken bauen und Wertschätzung ausdrücken.

Kenntnisse über Migrationsprozesse helfen, Lebenssituationen besser einzuordnen und vorschnelle Zuschreibungen zu vermeiden. Wer die Herausforderungen von Behördenkontakten, Sprachbarrieren oder unsicheren Lebenslagen kennt, betrachtet vermeintliche „Desinteresse-Signale“ häufig in einem anderen Licht.

Wenn Familiensprachen, kulturelle Traditionen und Feste selbstverständlich im pädagogischen Alltag vorkommen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit. Mehrsprachigkeit wird dann nicht als Herausforderung, sondern als Ressource erlebt.

Ein herzlicher Dank gilt den Podiumsgästen für ihre Offenheit und die wertvollen Impulse: Lisa Landeck, Christine Beier, Daniel Kaliski, Olga Sperling, Ludmila Alt, Susanne Hantschmann (v.l.n.r.) © SLfG

Methoden und Reflexion: Was wirklich zählt

In sechs Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden, was Kinder, Familien, Fachkräfte, Leitungen und Träger für gelingende Mehrsprachigkeit und Teilhabe benötigen. Deutlich wurde:

vor allem stabile Beziehungen, Wertschätzung und das Gefühl, gesehen zu werden – unabhängig von Herkunft oder Sprache.

Orientierung, verständliche Informationen, Zeit für Gespräche und Unterstützung bei der Navigation durch komplexe Systeme.

... die Beziehungsgestaltung der Schlüssel. Hilfreich sind dabei sichtbare Mehrsprachigkeit im Alltag, kleine sprachliche Brücken in den Familiensprachen sowie die Bereitschaft, Unsicherheiten und Nicht-Wissen als Teil professionellen Handelns anzunehmen.

... wiederum sind gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen: durch Ressourcen, mehrsprachige Informationsangebote (gern auch in Form digitaler Tools), die Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus sowie kontinuierliche Qualifizierung und Reflexion in den Teams. Mehrsprachigkeit sollte dabei als Bereicherung verstanden und im Leitbild der Einrichtung verankert werden.

Einblick in die Arbeitsphase © SLfG

Ein besonderer Dank gilt Sprachmentorin Natalie Spittler, die mit einer "CultuRallye" einen Perspektivwechsel erfahrbar machte. Die Teilnehmenden erlebten selbst, wie es sich anfühlt, sich in einer neuen Umgebung mit unbekannten Regeln zurechtfinden zu müssen. Die Erfahrung machte spürbar, was im pädagogischen Alltag oft abstrakt bleibt: Verständnis wächst dort, wo wir bereit sind, unsere eigene Perspektive zu hinterfragen.

Vom Wort zur Tat

Aus den Diskussionen und Arbeitsformaten kristallisierten sich fünf Leitmotive heraus:

... denn Vertrauen und Zugehörigkeit sind die Grundlage jeder Bildungsarbeit.

... denn nicht einzelne Methoden, sondern die pädagogische Haltung macht den Unterschied.

... denn Familiensprachen sind eine Stärke und verdienen Sichtbarkeit.

... denn jede Familie bringt ihre eigenen Erfahrungen mit und durchläuft unterschiedliche Phasen des Ankommens.

... denn gute Rahmenbedingungen entstehen dort, wo Teams gemeinsam lernen und sich weiterentwickeln.

Verantwortung tragen dabei alle Beteiligten: Fachkräfte, Leitungen und Träger ebenso wie Familien und Akteurinnen und Akteure im Sozialraum.

Das Treffen machte deutlich: Gelebte Vielfalt im Kita-Alltag ist kein Spezialthema, sondern Ausdruck pädagogischer Qualität. Dass darin eine zentrale Zukunftsaufgabe liegt, brachte Lisa Landeck, Projektleiterin und wissenschaftliche Begleiterin des Landesprogramms, auf den Punkt:

„Mir hat der Tag verdeutlicht, dass das Thema Mehrsprachigkeit und der Umgang mit Vielfalt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels vielleicht DIE Entwicklungsaufgabe der Einrichtungen der Kindertagesbetreuung ist. Ich sehe darin einen Auftrag für das Landesprogramm, die pädagogische Praxis bei dieser Entwicklung gut zu begleiten.“

Lisa Landeck, Projektleiterin und wissenschaftliche Begleiterin des Landesprogramms

Gemeinsam für alltagsintegrierte sprachliche Bildung: Die Sprachmentorinnen und Sprachmentoren mit der Koordinierungsstelle des Landesprogramms. © SLfG

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