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Geschichten eröffnen Welten, schaffen Nähe und stärken Bildungschancen. Vorlesen als eine wirkungsvolle Methode der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung fördert Sprache, Dialog, Empathie, stärkt Beziehungen und macht Freude - nicht zuletzt, weil Vorlesen so vielfältig gestaltet werden kann:
Anlässlich des Vorlesetags wurde diese Vielfalt auch im Landesprogramm sichtbar: Sprachmentorinnen und Sprachmentoren sowie Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle brachten Geschichten in sächsische Kindertageseinrichtungen, Horte und weitere Lernorte und machten auf die kostenfreien Angebote des Landesprogramms aufmerksam.
Die exemplarischen Einblicke zeigen, wie Vorlesen Kinder begeistert, Gespräche anregt und Sprachbildung lebendig werden lässt.
Die Leipziger Sprachmentorinnen begeisterten Kinder mit Geschichten an ganz unterschiedlichen Orten in Leipzig: im Waldraum, im Naturkundemuseum und im Universitätsklinikum.
Besonders eindrucksvoll war eine Vorlesesituation im Foyer der Kinderklinik: Hier nahmen auch Kinder teil, die bereits selbst lesen konnten. Sie schlüpften spontan in die Rolle der Vorlesenden und gestalteten gemeinsam mit den jüngeren Kindern ein dialogisches Lesen und Philosophieren zu dem Buch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“. Hier wurde vor allem die Bedeutung von Peer-to-Peer-Interaktionen, also zwischen den Kindern, für die Sprachbildung sowie Lese- und Dialogförderung deutlich.
Unter anderem wurde aus „Uhuwe liest vor“ vorgelesen. Die Geschichte wurde aufgegriffen und erweitert: Die Kinder begegneten den „Freunden von Uhuwe“ - Hase, Eichhörnchen und Waldohreule - als Präparate und erfuhren Wissenswertes über deren Lebensraum. So verband sich sprachliche Bildung mit Naturerfahrung und Sachwissen.
Diese Beispiele zeigen, wie institutionenübergreifende Zusammenarbeit und handlungsorientierte Vorleseangebote den Dialog anregen und mehrere Sinne einbeziehen können. Vorlesen wird so zum Ausgangspunkt für Gespräche, Fragen und gemeinsames Lernen.
„Vorlesen ist wie eine warme Umarmung - für alle Beteiligten“, resümiert Stefanie Burkhardt, Sprachmentorin der Stadt Leipzig.
In Pirna erlebten Kinder der ersten Klasse ein besonderes Vorleseereignis: Von den Sprachmentorinnen eingeladen, las der Leiter des Jugendamtes, Herr Maximilian Hering, aus dem Buch „Käpten Knitterbart auf der Schatzinsel“ vor.
Mit einem Koffer voller „Piratengold“, einem spannenden Bilderbuchkino, Verkleidungsmöglichkeiten und bewegungsreichen Spielen wurde die Geschichte lebendig. Die Kinder verfolgten die Abenteuer des Piratenkapitäns und seiner Crew, staunten über Seeungeheuer und überlegten gemeinsam, wie die Geschichte weitergehen könnte. Das dialogische Vorgehen ermöglichte es den Kindern, ihre Ideen einzubringen und aktiv am Geschehen teilzunehmen.
„Vorlesen begeistert Kinder, fördert ihre Fantasie und stärkt das Selbstbewusstsein. Es weckt früh die Freude am Lesen. Deshalb ist es mir ein wichtiges Anliegen, Kinder an die Welt der Bücher heranzuführen“, betonte Herr Hering im Anschluss.
Das Beispiel zeigt, wie Vorlesen auch im Hortalter einen wichtigen Beitrag zur Sprachentwicklung und Lesemotivation leisten kann.
Im Vogtlandkreis fand der Vorlesetag in den eigenen Räumlichkeiten statt - in ruhiger, wertschätzender Atmosphäre.
Die Kita-Kinder folgten der Einladung der Sprachmentorinnen und des Sprachmentors, brachten ihr Vorleseticket mit und entdeckten neben den vorgelesenen Büchern auch die vielfältigen sprachanregenden Materialien des Teams im Vogtlandkreis. Vorgelesen wurde unter anderem aus „Mein Knopf, ein Universum: Magische Winter-Wünsche“. Der Knopf und das Wünschen wurden im Verlauf des Vorlesens immer wieder einbezogen.
Solche Impulse machen deutlich, wie sehr Vorlesen die Fantasie fördert und innere Bilder ermöglicht - wichtige Voraussetzungen für Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung.
Auch Mitarbeitende der Koordinierungsstelle lasen in Dresdner und Leipziger Kindertageseinrichtungen vor. Die Angebote waren bewusst vielfältig gestaltet: mehrsprachiges Vorlesen im Tandem an einer Grundschule, Kamishibai-Theater in einer Kita, Vorlesesituationen in kleinen und großen Gruppen sowie Mitmachbücher für Krippenkinder.
Die Themen der ausgewählten Bücher wurden teilweise gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften abgestimmt. Auch die Empfehlungen der Stiftung Lesen halfen bei der Buchauswahl. Besonders oft wurden Bücher zum Thema Gefühle gewünscht - ein Bereich, in dem Vorlesen Impulse für Wortschatzaufbau, Emotionsbenennung und Empathie leisten kann.
Als besonders wirkungsvoll erwiesen sich die Urkunden zum Vorlesetag, die über die Website zum Aktionstag jedes Jahr zur Verfügung gestellt werden. Sie entfalteten eine hohe Anziehungskraft: Auch Kinder, die weniger Interesse am Vorlesen zeigten, waren motiviert, teilzunehmen. Die mit nach Hause genommenen Urkunden können zudem die Sichtbarkeit des Vorlesens in den Familien erhöhen. Julia Mende, Koordinatorin für Chemnitz und Zwickau, betont außerdem: „Für mich ist Vorlesen und Lesen immer die Möglichkeit, über das Hier und Jetzt hinaus in andere Welten einzutauchen.“ und Koordinatorin Grit Löbert beschreibt eine Vorlesesituation so: „Das Vorlesen wurde sehr dialogisch. Die Kinder waren neugierig und aufmerksam, beschrieben detailliert, was sie auf den Bildern sehen.“.
Am Ende waren sich alle einig - wie Koordinatorin Franziska Angermann gemeinsam mit den Kindern einer Dresdner Kita festhält:
„Hand drauf – das machen wir wieder!“.
Seit 2004 zeigt der bundesweite Vorlesetag eindrucksvoll, wie gemeinsames Lesen Beziehungen stärkt, Vielfalt sichtbar macht und Sprachbildung durch dialogische, kindzentrierte Angebote unterstützt.
Vorlesen ist mehr als das Vortragen eines Textes:
Für pädagogische Fachkräfte bietet Vorlesen eine äußerst wirksame Möglichkeit, Sprachbildung alltagsintegriert zu gestalten. Ob gemütlich in der Vorleseecke, bei der Eingewöhnung, vor dem Schlafen, beim Warten aufs Mittagessen, im Garten auf der Wiese und im Sandkasten, in der Garderobe zwischen Jacken und Schuhen, oder als großes Event an einem Aktionstag - Vorlesen gehört dazu, am Vorlesetag und an jedem anderen Tag und darauf macht der Vorlesetag jedes Jahr aufs Neue aufmerksam.
Der nächste bundesweite Vorlesetag findet am 20.11.2026 statt.
Hier gibt es Informationen zum Aktionstag, zu Vorleseideen und Tipps zum Vorlesen.
Weitere Aktionstage zur Förderung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung und Mundgesundheit finden sich hier.