Beitrag vom

Stottern verstehen
Kinder im Sprechalltag begleiten

Am 22. Oktober ist jährlich der Welttag des Stotterns.

Dieser Tag soll das Bewusstsein für das Thema stärken, Vorurteile abbauen und zum Verständnis beitragen.

Der folgende Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Henriette Bahn, Sprachmentorin aus Dresden und Logopädin, der wir herzlich für ihre fachliche Unterstützung danken.

 

Was ist Stottern?

Grundsätzlich können Sprechunflüssigkeiten bei allen Menschen auftreten - dabei werden ganze Wörter oder Satzteile wiederholt, Wörter abgebrochen oder korrigiert, Füllwörter wie „ähm“ verwendet oder Pausen eingefügt. Stottertypische Unflüssigkeiten zeigen sich jedoch durch bestimmte Merkmale, die sich davon abgrenzen.

Typische Merkmale des echten Stotterns sind:

  • Wiederholungen von Lauten, Silben oder einsilbigen Wörtern
  • Dehnungen von Lauten
  • Blockaden vor und in Wörtern
  • manchmal sichtbare Begleitsymptome (z. B. Mitbewegungen oder Anspannung im Gesicht)

Stottern ist keine psychische oder intellektuelle Störung, sondern eine neurologische Störung, die genetisch bedingt ist. Menschen, die stottern, wissen genau, was sie sagen möchten – ihr Redefluss wird jedoch durch die genannten Kennzeichen unterbrochen.

Neben den sichtbaren Symptomen können Gefühle wie Angst, Frustration oder Vermeidung eine große Rolle spielen.

 

Zahlen und Fakten

  • Etwa 1 % der Bevölkerung in Deutschland stottert.
  • Bei rund 5 % der Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren treten vorübergehend Sprechunflüssigkeiten auf.
  • Etwa ein Viertel dieser Kinder entwickelt ein echtes Stottern.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass das Stottern bestehen bleibt, steigt, wenn es mehr als 6-12 Monate andauert oder wenn das Kind auffällige Begleitsymptome entwickelt.

Was wirkt unterstützend:

  • Blickkontakt halten
  • Auf Augenhöhe gehen
  • Aussprechen lassen
  • Geduldig zuhören
  • Beratung in Anspruch nehmen

 

Was hilft nicht:

  • Unterbrechen oder verbessern
  • Sätze vervollständigen
  • Ratschläge wie „Sprich langsam“ oder „Atme erstmal durch“ geben

Mehr Informationen

Weiterführende Informationen und Materialien zum Thema Stottern im Kindesalter gibt es auf den Seiten der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V. (BVSS). Die BVSS bietet außerdem kostenlose Online-Themenabende für Eltern und Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung an. Dort werden Hintergründe erklärt und hilfreiche Tipps vermittelt.