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Vor meiner Zeit als Sprachmentorin im Landesprogramm war ich als stellv. Kitaleitung im Kindergarten Villa Regenbogen tätig. Ich habe gemeinsam mit den Kindern Geschichten entdeckt und deren Inhalte erlebbar gemacht. Mithilfe von Zippels Geschichte möchte ich zeigen, wie viel Freude es bereitet, sich gemeinsam mit den Kindern auf eine kreative Lesereise zu begeben und so sprachanregende Momente zu schaffen.
Die Geschichte handelt von Paul, der das Schlossgespenst Zippel eines Tages bei sich zu Hause im Türschloss entdeckt. Dieses muss besonders alt, rostig und dreckig sein, denn nur so fühlt sich Zippel wohl. Ein paar Etagen höher wohnt Frau Wilhelm. Sie bemerkt schnell Pauls Geheimnis, denn Schlossgespenster waren auch ein Teil ihrer Kindheit. Seitdem sammelt sie alte Türschlösser in ihrer Schrankwand, damit jederzeit ein Schlossgespenst bei ihr einziehen kann.
Ein neues Zuhause fand Zippel auch im Kindergarten Villa Regenbogen. Das Gespenst begeisterte die Kinder durch seine lustige Art und seine kindliche Naivität. Er nimmt alles wörtlich, versteht Aussagen falsch und spricht Wörter witzig aus. So heißt „Erwachsener“ zum Beispiel durchweg „Awachsana“. Zippel kann sich für die einfachen Dinge, wie die Klospülung oder den Staubsauger begeistern und lässt Kinder dabei nicht nur schmunzeln, sondern herzhaft lachen.
Zur großen Überraschung hat Frau Wilhelm einen Brief in den Kindergarten geschickt, in dem ein altes Türschloss aus ihrer Sammlung verpackt war. Sie hat geschrieben, dass Zippel den Kindergarten so schön fand, dass er für einige Zeit Urlaub in der Villa Regenbogen machen möchte. Als wir den Brief im Morgenkreis vorgelesen haben, kamen die Kinder aus dem Staunen gar nicht heraus und konnten ihr Glück kaum fassen. Gemeinsam haben wir überlegt, wo das Schloss am schönsten platziert wäre. Schnell fand sich im Schrank im Gruppenraum ein neues Zuhause für Zippel. Ein besonders aufmerksamer Junge bemerkte jedoch schnell: „Der Zippel mag doch Staub so gerne, aber ich sehe da gar keinen Staub!“ Dies bestätigten einige andere Kinder und gemeinsam gingen sie im Kindergarten auf Staubflusenjagd.
Die Kinder standen täglich am Schloss und beobachteten, ob sich Veränderungen auftaten oder im Gruppenraum bemerken ließen. Einige sahen ein Glitzern, andere waren sich sicher, dass sich der Staub bewegt hätte. Und weil Zippel so eine große Faszination bei den Kindern ausgelöst hat, konnten wir es uns nicht nehmen lassen, ihn hin und wieder etwas anstellen zu lassen. So hat er in einer Nacht beschlossen, dass er mit Hausschuhen die Treppe hinunterrutschen möchte und stibitzte dazu allen Kindern einen Schuh aus der Garderobe. Die Überraschung am Morgen war riesig, als jeder einzelne auf Schuhsuche gehen musste.
Um Kinder in ihrer Sprache zu fördern, braucht es nicht viel. Außer Zeit, ihnen zuzuhören, nachzufragen und sich über Themen auszutauschen. Ein altes Schloss, etwas Staub und ein kleiner Brief können den Zauber einer Geschichte nach außen tragen und nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Geschwister zum Miterleben bewegen.